Hilfe mein Hund jagt

Eins ist mal sicher: ein Hund, der gern jagen geht, zeigt Normalverhalten. Trotzdem kann plötzliches Weglaufen, Aufspüren oder gar Töten von Wild für seinen Besitzer zum Problem werden.

Jagen ist ein natürliches Verhalten
Das Jagen ist angeboren und gehört zum normalen Hundeverhalten. Es dient der Nahrungsbeschaffung und ist damit - zumindest für wild lebende Raubtiere - überlebenswichtig. Jagdverhalten ist selbstbelohnend. Schon die Ausführung eines oder mehrerer Elemente aus dem Komplex Jagdverhalten, wie beispielsweise das Verfolgen einer Fährte, führt zu einem Belohnungsgefühl, selbst wenn der Jagderfolg ausbleibt.

Für den Wolf, der darauf angewiesen ist, sich einen Teil seiner Nahrung durch die Jagd zu beschaffen, ist diese Eigenschaft sehr sinnvoll. Er hat nicht bei jedem Jagdausflug Erfolg. Würde er der biologischen Grundregel folgen, dass ein Verhalten, das einen Misserfolg mit sich bringt, auf Dauer seltener wird, müsste er das Jagen irgendwann einstellen. Aber durch die selbstbelohnende Komponente einzelner Elemente des Jagens bleibt er hoch motiviert am Ball - und überlebt.

Für den Hundebesitzer kann das zum Problem werden. Obwohl Jagdverhalten für die Beschaffung von Nahrung bei den Haushunden keine Rolle spielt - sie bekommen sie ja frei Haus -, sorgt die selbstbelohnende Komponente dafür, dass Jagdverhalten auch nach zigtausend Jahren der Domestikation in der Erbsubstanz aller Hunde erhalten blieb. Dennoch kann grundsätzlich jeder Hund jeder Rasse Jagdverhalten zeigen. Durch Züchtung hat der Mensch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Jagdverhalten bei einigen Rassen gefördert, bei anderen gesenkt.

Elemente des Jagdverhaltens

Das zügige Reagieren auf Geräusche, die Beute verheißen, und Objekte, die sich rasch bewegen, hat eine starke genetische Komponente. Gleiches gilt für die Neigung der Hunde, auf bestimmte Gerüche zu reagieren, sie unterliegt allerdings stärker dem Lernen. Wenn entsprechende Signale auftreten, können sie Hunde mit jagdlichem Interesse sehr zügig in Erregung versetzen und weiteres Jagdverhalten auslösen, das Verfolgen (nach Sicht oder nach Geruch), Erstarren (nach dem Aufspüren), das Fixieren (Einschätzen der Situation/des Beutetiers), das Lauern und Anschleichen (bis zu einer bestimmten Distanz), das Hetzen (möglichst schnelle Annäherung), das Angreifen, Packen und Töten. Nach dem Schlagen der Beute wird diese entweder vor Ort verzehrt oder weggetragen. Jagdverhalten wird unabhängig vom Hungergefühl gezeigt. So kommt es, dass unsere Haushunde ihre Beute eher selten auch fressen.

Jagdhundrassen


Bestimmte Rassen zeigen sehr intensiv Verhaltenselemente, die entsprechend ihren Aufgaben als Jagdhelfer des Menschen in der Zucht besonders gefördert werden oder wurden. Besitzer sollten dies wissen und es bei der Erziehung (oder Wahl des Hundes) berücksichtigen.

Beispiele für Jagdhundrassen:
Der Erdhund (zum Beispiel Dackel, kleine Terrier) soll Dachse oder Füchse im Bau stellen oder heraustreiben. Er muss wehrhaft sein und selbstständig (ohne Kommando) arbeiten.

Der Laufhund (zum Beispiel Beagle) soll ein größeres Gebiet selbstständig durchsuchen und aufgestöbertes Wild lautstark hetzen.

Ein Stöberhund (etwa der Spaniel) soll Wild aus Dickicht oder Schilf heraus zum Jäger treiben.

Vorstehhunde (zum Beispiel Setter, Weimaraner, Magyar Vizsla) sind echte Allrounder. Sie sollen Wild aufspüren, dann vorstehen, um dem Jäger die Richtung zu weisen. Sie werden auch zur Stöber- oder Schweißarbeit eingesetzt.

Apportierhunde (Retriever) beginnen ihre Arbeit auf Kommando nach dem Schuss: Suchen und Apportieren des Wildes.

Der Windhund (wie Podenco, Afghane) jagt selbstständig auf Sicht, er kann auf Bewegungen in sehr großer Entfernung reagieren. Er hetzt und packt das Wild und apportiert es (teilweise noch lebend) oder tötet es und bleibt vor Ort.

Besitzer eines Hundes mit ausgeprägter Jagdleidenschaft brauchen viel Geduld, Konsequenz und eine gesunde Portion Realismus: Die meisten Jagdprobleme sind nicht auf die Schnelle zu lösen, auch nicht zu hundert Prozent - ein Restrisiko bleibt. Und eine einzige sichere Methode, um dem Hund das Jagen komplett abzugewöhnen, gibt es nicht.

Das Jagen in den Griff bekommen

Wenn ein Jagdproblem ernsthaft angegangen werden soll, sind zunächst Managementmaßnahmen erforderlich. Dabei geht es in erster Linie um das Verhindern von Jagderlebnissen, denn weiteres Lernen am Erfolg und der Spaß am Jagen, das selbstbelohnende Verhalten, müssen vermieden werden.

Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass man vorübergehend auf Waldspaziergänge in der Dämmerung verzichtet oder den Hund nicht dort freilaufen lässt, wo mit der Anwesenheit von Wild zu rechnen ist. Neben dem Management ist es sinnvoll, sich über Hilfsmittel Gedanken zu machen. Dazu gehören Halsband oder Brustgeschirr und Leine, später auch Schleppleine. Ein gut sitzendes Halsband sollte flach und breit sein (beim mittelgroßen Hund mindestens vier Zentimeter) und so sitzen, dass der Hund es nicht abstreifen kann. Besonders zu Beginn des Trainings, wenn der Hund in die Leine springt, ist ein Brustgeschirr zu empfehlen. Es gefährdet weder Kehlkopf noch Halswirbelsäule.

Fürs erste Training ist es oft erforderlich, dass der Hund sich nicht zu weit vom Besitzer entfernen kann. Eine mehrfach verstellbare Leine sollte seiner Größe und Zugkraft angemessen sein und gut in der Hand liegen. Flexileinen sind im Alltag mit einem gut leinenführigen Tier praktisch, für das Training eines Jagdproblems aber ungeeignet.

Eine Schleppleine wird nach Erreichen eines gewissen Trainingsstandes an kurzer Leine benötigt. Sie muss in Dicke und Länge (Gewicht!) ebenfalls der Größe des Hundes angepasst sein. Besitzer sollten den Umgang damit vor dem Jagdtraining üben.

Die wichtigsten Signale, um jagdbegeisterte Hunde zu kontrollieren, sind unserer Meinung nach das Aufmerksamkeitssignal und der Rückruf. Erst wenn diese Krisenunterbrecher zumindest recht gut klappen, kann man sich an andere Übungen machen: etwa das Radiustraining (der Hund trainiert, sich nicht über einen bestimmten Radius hinaus vom Besitzer zu entfernen) oder Gegenkonditionierung (der Hund lernt ein alternatives Verhalten bei Anblick oder Geruch von Wild).

DAS AUFMERKSAMKEITSTRAINING

Der Hund soll lernen, sich auf ein Signal hin zügig zu seinem Besitzer umzudrehen. Grund: Wenn Bello Herrchen Aufmerksamkeit schenkt, kann er nicht gleichzeitig einem flüchtenden Reh hinterherschauen. Im Idealfall kann damit später ein Hetzen unterbrochen werden. Außerdem ist Aufmerksamkeit die Voraussetzung für weitere Kommandos wie Rückruf, "Sitz" und "Down". Der Einsatz eines gut auftrainierten Belohnungssignals, etwa ein Belohnungswort oder ein Clicker, zum richtigen Zeitpunkt ist sehr wichtig.

Durchführung:
Der Hund beschäftigt sich mit der Welt und wird mit dem Aufmerksamkeitssignal, etwa dem Namen des Hundes, angesprochen. Genau in dem Moment, in dem er guckt, kommt das Belohnungssignal. Ist das gut auftrainiert, was eine separate Übung ist, löst es ein Belohnungsgefühl aus, und der Hund holt sich die eigentliche Belohnung, etwa Futter, beim Besitzer ab. Je häufiger die Situation Aufmerksamkeitssignal-Gucken-Belohnungssignal-Belohnung abläuft, desto fester wird die Verbindung. Beispiel für eine feste Verbindung: der eigene Vorname, denn jeder dreht sich ohne nachzudenken um, wenn er seinen Namen hört. Dieses Ziel sollte beim Hund erreicht werden.

DER RÜCKRUF

Der Hund soll zu Ihnen kommen, wenn er gerufen wird-so weit das Ziel. Der Rückruf besteht aus dem Aufmerksamkeitssignal (Name des Hundes), einem Körpersignal (Handtarget) und/oder dem Hörsignal (zum Beispiel "Komm" oder "Hier"). Aufmerksamkeitstraining ist quasi der Ausgangspunkt für den Rückruf, das Handtarget das Ende.

Durchführung Handtargettraining:
Man hält dem Hund eine Hand direkt vor die Schnauze. Wenn der Hund die Hand mit der Nase berührt, sagt man das Belohnungswort und gibt dem Hund ein Leckerchen aus der anderen Hand. Achtung: Damit der Hund anfangs nicht gerufen werden muss und die Übung mit dem Aufmerksamkeitstraining verwechselt, ist es wichtig, in einer ablenkungsarmen Umgebung zu beginnen und die Ablenkung langsam zu steigern. Ziel soll sein, dass der Hund die hingehaltene Hand anstupst und dafür auch eine längere Strecke zum Besitzer hinläuft. In ablenkungsreicherer Umgebung benutzt man später das Aufmerksamkeitssignal: Wenn der Hund sich umdreht, wird zügig die Hand hingehalten. Das Belohnungswort kommt, wenn der Hund die Hand angestupst hat. Das Aufmerksamkeitssignal muss dabei separat weiter geübt werden. Das Hörsignal, etwa "Hier", wird erst eingebaut, wenn der Hund Aufmerksamkeitssignal und Handtarget wirklich beherrscht.

Durchführung der vollständigen Übung:
Wenn der Hund sich umdreht, sobald er das Aufmerksamkeitssignal hört, sieht er das Körpersignal und setzt sich in Bewegung, um die Hand anzustupsen. Sobald er sich in Bewegung setzt (anfangs nur dann!), ruft man das Hörsignal Rufen-gucken-sich in Bewegung setzen-Hörsignal hören-Hand anstupsen-Belohnung. So wird der Hund eine saubere Verknüpfung ausbilden. "Hier" bedeutet zum Besitzer laufen, was durch Wiederholungen mit Ablenkungsstufen verfestigt wird.

Bei Problemen, besser vorher, hilft fachkundiger Rat und individuelles Training.

(.... aus dogs, das Hundemagazin, Beitrag Dr. Schöning, Dr. Röhrs)

 

 

Hier finden Sie uns

Hundefreunde Frankenwald e.V.
Nalser str.
96317 Kronach / Gundelsdorf

eine genaue Beschreibung finden Sie unter Anfahrt

Kontakt

Rufen Sie uns an :

Hanna Strehmel

0176/83539548

oder schreiben Sie uns :

hundefreunde-frankenwald@web.de

 

Trainingszeiten

neue Stundenzeiten !

Samstag:

ab  9.00 Uhr  Junghunde 1 & 2

ab 10.00 Uhr Grundgehorsam 1 & 2

ab 11.00 Uhr Welpenstunde

                      und Profis

ab 12.00 Uhr Prüfungsgruppe

Dienstag:

ab 18.00 Uhr Vorbereitungskurs für BGVP und Hundeführerschein

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Hundefreunde Frankenwald e.V.